„Die Aufgabe der Umgebung ist nicht,
                     das Kind zu formen,
sondern ihm zu erlauben, sich zu offenbaren.“
                                            Maria Montessori

Das Landhaus Oppenheim: Vom Sommersitz zur Montessorischule

Das Landhaus Oppenheim, das heute die Internationale Montessorischule (IMS) Berlin beherbergt, hat eine wechselvolle Geschichte. Es wurde 1908 vom bedeutendsten Architekten seiner Zeit, Alfred Messel, für den Großindustriellen Dr. Franz Oppenheim (1852-1929) , Generaldirektor der AGFA und Mitbegründer der IG Farben, gebaut.

Mit über 14.000 Quadratmetern ähnelte das ursprüngliche Grundstück einem Park und reichte bis zum Wannsee. Zum Anwesen gehörten neben dem Landhaus auch ein Gärtner- und Pförtnerhaus, ein Stall, eine Garage, ein Treibhaus sowie der Rosengarten. Herzstück des Landhauses ist die mit 24 Metern Länge und 3,80 Metern Breite sehr großzügige Galerie.

Oppenheims zweite Frau Margarete hatte bereits seit 1904 eine bedeutende Kunstsammlung mit französischen Impressionisten aufgebaut: Gemälde von Paul Cézanne, Vincent van Gogh und Édouard Manet gehörten dazu. Wenn die Familie im Sommer ins Landhaus am Wannsee umzog, reiste die Kunstsammlung mit und fand ihren Platz in der Galerie. Die Enkelin der Oppenheims war häufig zu Gast am Großen Wannsee und entdeckte dort ihre Liebe zur Kunst. Ihre farbenfrohen abstrakten Gemälde machten sie später bekannt: die Malerin Vita Petersen.

Die Oppenheims gehörten zu den bedeutenden Persönlichkeiten der Berliner Oberschicht. Zwanzig Jahre lang führten sie in ihrem Sommersitz am Wannsee ein reges gesellschaftliches Leben auf hohem kulturellen Niveau. Zum Freundeskreis gehörten der Maler und Nachbar Max Liebermann, der Tierbildhauer August Gaul und Albert Einstein.

Franz Oppenheim starb 1929 in Kairo auf einer Urlaubsreise. Seine Frau verstarb 1934. Die Erben - Oppenheims Kinder aus erster Ehe, Kurt und Martha – emigrierten in den 30er Jahren in die Schweiz und nach England.

1938 besetzte der Sicherheitsdienst des Reichsführers SS (Geheimdienst der SS) das Anwesen. Unter dem Tarnnamen „Institut für Altertumsforschung“ betrieb er im Landhaus Oppenheim ein geheimes Ostforschungsinstitut – das sogenannte „Wannsee-Institut“.

Nach dem Krieg wurde das Anwesen als Reservelazarett genutzt und später vom Krankenhaus Wannsee übernommen. Bürgerlichem Engagement ist es zu verdanken, dass das über Jahre leerstehende und vom Verfall bedrohte Landhaus Oppenheim nicht abgerissen wurde. In den 70er Jahren überschrieb das Land Berlin das Gebäude der benachbarten Wannsee-Schule. 1983 wurde es unter Denkmalschutz gestellt. Rund 25 Jahre lang beherbergte es ein Therapiezentrum für Jugendliche.

Nach aufwändiger denkmalgerechter Sanierung des Gebäudes bezog die Internationale Montessorischule (IMS) 2013 das Landhaus Oppenheim. Idyllisch gelegen zwischen Wald und See bietet es den Kindern viel Platz zum Spielen und Lernen. Und endlich erklingt wieder Kinderlachen auf dem ehemaligen Sommersitz der Familie Oppenheim.