„Nur wenn man ganz Kind gewesen ist, wird man
      ein ausgeglichener Erwachsener“
                                        M. Montessori

Interview: Eine Montessori-Mutter erzählt

Daniela B., 42 Jahre, 2 Söhne (14 und 4 Jahre alt) – beide aus dem Kinderhaus Kipsi

Warum haben Sie sich für das Kinderhaus Kipsi entschieden?

DB: Ich wollte unbedingt eine Montessori-Einrichtung für mein Kind, weil das meinen Vorstellungen von Erziehung sehr entspricht. Die Umsetzung der Montessoripadagogik steht und fällt aber mit den einzelnen Einrichtungen und Erziehern. Ich habe auch schon mal ein Kinderhaus gesehen, in dem die Kinder in der Freiarbeit auf dem Tisch herumsprangen... Vom Kipsi hatte ich sofort einen tollen Eindruck. Da wird auf Augenhöhe mit dem Kind umgegangen, aber trotzdem mit einer gewissen Führung. Das ist die Kunst, denke ich – den Spagat zu finden zwischen Freiheit und Regeln. Es braucht auch eine Klarheit beim Erzieher, um die Kinder nicht durcheinander zu bringen. Diese liebevolle Klarheit, das habe ich sehr bewundert.

Was genau hat Sie angesprochen bei Montessori?

DB: Ich war von Anfang an sehr fasziniert vom Arbeitsmaterial – nicht nur für Mathe, Sprachen oder Geografie, sondern auch die Dinge des alltäglichen Lebens, z.B. das Wasserschütten. Die Kinder auch mal machen lassen mit alltäglichen Dingen. Ich kann nur empfehlen, vieles zu Hause zu übernehmen. Es ist einfach und macht Kinder stolz, wenn man sie – so weit es geht – mit den Dingen im Haushalt umgehen lässt, die alle Familienmitglieder benutzen. Auch die kosmische Erziehung, die leider durch den missverständlichen Begriff oft als etwas Esoterisches abgestempelt wird, halte ich für unbedingt wichtig und unterschätzt.

Sie haben eben erwähnt, dass sie einige Dinge auch zu Hause umsetzen. Was genau und warum?
DB: Wenn man sich als Eltern auf Montessori einlässt und gewisse Regeln auch zu Hause übernimmt, macht es das Leben einfacher. Zum Beispiel, einen Spielteppich anschaffen und übernehmen, dass er freigeräumt wird, um erst dann ein neues Spiel zu beginnen. Es bleibt dann selbstverständlich und man wird sich wundern, wie aufgeräumt ein Kinderzimmer bleibt. Ich selbst habe übrigens eine ziemlich chaotische Ader. Da habe ich mich quasi selbst miterzogen, weil ich gemerkt habe: Es ist genial, wenn alles seinen Platz hat.

Was ziehen Sie selbst aus der Montessori-Pädagogik?

DB: Montessori hat mich als Mutter verändert. Mir sind viele Sachen mehr aufgefallen, die ich sonst nicht bemerkt hätte. Woran hat mein Kind Spaß, was mag es? Das sind oft einfache Sachen, man braucht kein neues Spielzeug. Wenn mein Kind faltet, hole ich das Origami-Papier raus.

Leider sind Eltern oft dazu geneigt zu sagen: Ich mach das schon, das geht jetzt schneller. Ich nehme mich da nicht aus und stelle immer wieder fest: Diese momentane Bequemlichkeit weicht das Selbstverständnis auf. 

Wir Eltern kontrollieren aus Sorge manchmal gern. Bei meinem großen Sohn habe ich festgestellt: Je mehr ich ihn allein entscheiden lasse, desto besser teilt er sich seine Zeit ein, z.B. für die Hausaufgaben. Ich musste loslassen lernen – das fällt natürlich besonders schwer, wenn es hakt. Es funktioniert aber besser, wenn es einen gewissen Freiraum für das Kind gibt. Und wer sagt, dass man Vokabeln abends lernen muss, wenn es einem morgens leichter fällt?!

War die Montessori-Pädagogik eine gute Vorbereitung auf die Schule für den Älteren?
DB: Auf jeden Fall. Die Zeit im Montessori-Kinderhaus war eine Chance für meinen Sohn, ganz anders in der Schule zu bestehen: Er hat selbst gelernt, sich die Zeit einzuteilen, sich zu strukturieren. Vom Allgemeinwissen her war er weiter als andere in der Grundschule. Mit 5-6 Jahren kannte er z.B. schon alle möglichen Länder und Flaggen. Auch das Miteinander mit anderen Kindern funktionierte gut.

Vielen Dank für das nette Gespräch und noch eine gute Zeit im Kinderhaus Kipsi!